Schulranzen auf der Mülldeponie

Liebe Schulranzeninteressierte,

bei den folgenden Bildern heißt es tapfer sein! Wenn die Schulzeit vorrüber ist, werden die allermeisten Ranzen im Müll entsorgt. Manches Kind sieht traurig dabei zu, andere berührt das nicht.

Ist erstmal die Müllabfuhr dagewesen und hat ihr Handwerk verrichtet, ist aller Müll spurlos verschwunden und unsere Welt ist wieder sauber. Im Regelfall sieht man aber nicht, was damit passiert und eigentlich interessiert es auch keinen. Um es vorweg zu sagen: Heutzutage werden Abfälle durch lizenzierte Entsorgungsbetriebe eingesammelt und meist in Müllverbrennungsanlagen verheizt, selten heute noch auf Deponien eingelagert, wenn doch, dann fachgerecht mit Drainierung und Abdeckung. Wertstoffe werden heute massenweise recycelt.



Um einen Blick auf die Ranzen unserer Kindheit zu werfen, besichtigen wir eine seit langem geschlossene und wieder zugewucherte Müllkippe der 70er und 80er Jahre. Diese wurde nur sehr nachlässig und unsachgemäß verschlossen, so dass noch heute der alte Müll oberflächlich zu erkennen ist. Weil das Gelände abseits liegt und nicht ordentlich abgezäunt war, erfolgte dort noch bis in die 90er Jahre eine wilde Müllentsorgung. Mittlerweile hat sich starker Bewuchs gebildet, der die Altlasten zumindest in den Sommermonaten gnädig verdeckt. Dort kann man den ganzen Querschnitt unserer Haushaltungen der letzten 35 Jahre anschauen, neben Restmüll und Sperrmüll, wie Kaffeemaschinen, Staubsaugern und alten Möbeln wurden dort ganze Autowracks entsorgt. In heutiger Zeit undenkbar.

Wenn man dem Thema Schulranzen eine ganze Homepage widmet, kann man, gerade wenn Anschauungsmaterial zur Verfügung steht, an diesem Thema nicht vorbei. Während Metall, Holz und Textilien oberflächennah schnell zerfallen, halten sich Kunststoffe erheblich länger. Unter Luftabschluß können sie Jahrhunderte überdauern, an der Oberfläche ist die UV-Strahlung primär für Versprödung der Materialien und ihr auseinanderfallen verantwortlich. Einige Schulranzen der folgenden Bilder sind abgesehen von Bemoosung, Verschmutzung und mechanischen Beschädigungen durch den Pressmüllwagen, bzw. das überfahrenwerden mit Planierraupen in erstaunlich gutem Zustand. Andere Schulranzen sind total zerrissen und zerfetzt. Die aufgelassene Müllkippe war lange Jahre das ultimative Kinderspielparadies, wobei auch anzunehmen ist, das mehrere der Schulranzen absichtlich zerstört bzw. kaputtgespielt worden sind.

So können wir heute gut sehen, was aus dem vor langem weggeworfenen Stolz unserer Kindheit geworden ist. Vielleicht erkennt jemand seinen alten Ranzen wieder? Dort liegen neben den abgelichteten Scoutranzen natürlich Ranzen aller Marken, interessiert hat mich aber immer das Schicksal der Scouts, wohl, weil ich auch einen hatte.


Ich habe die folgenden Ranzen zum Fotografieren aus dem Müll herausgenommen, um bessere Aufnahmen zu erhalten. Inmitten des bunten Abfalls wirken die Bilder sonst nicht.



Die unterschiedliche Abwitterung und Allgemeinzustand ist gut zu erkennen.
Einige Anbauteile verspröden bereits und werden brüchig, aber dafür, das sie teilweise 25 Jahre der Witterung ausgesetzt waren, sehen manche noch ganz gut aus. Der eine oder andere hat aber mittlerweile ein leichtes Moosproblem. Einige der Ranzen sind wohl im Müllfahrzeug gepresst worden, andere auf der Deponiefläche von Planierraupen überfahren und dabei zerbrochen und zerfetzt. Es ist aber ganz interessant, den Scoutranzen dabei zuzusehen, wie sie vermodern. Unterirdisch verrotten hier wohl einige hundert Schulranzen.



Kunststoffe können, wenn sie nicht unmittelbar der UV- Strahlung der Sonne ausgesetzt sind, Jahrhunderte überdauern. Das ist der Fluch unseres Plastik- Zeitalters. Unzählige Deponien bewahren damit unsere Abfälle für die Ewigkeit. In kommenden Zeiten werden Archäologen diese vielleicht öffnen und damit Rückschlüsse über unsere Recourcen verschwendende Zivilisation ziehen. Öl, aus dem alle Kunststoffe bestehen, wird es dann nicht mehr geben. Bereits heute überlegen Forscher, wie synthetische Kunststoffe durch organische, abbaubare Produkte ersetzt werden können. Ernsthaft werden gegenwärtig Versuche mit Rückständen aus der Schlachtvieh- Verarbeitung, die massenhaft anfallen und bisher direkt entsorgt werden angestellt. Dann könnte überspitzt gesagt das Plastik im Schulranzen künftig vom gleichen Rind stammen, das auch das Steak zum Mittagessen geliefert hat.
Es werden aber auch Versuche unternommen, Kunststoffersatz aus pflanzlicher Biomasse, Z.B. Mais zu gewinnen. Die herkömmlichen, uns vertrauten Kunststoffe kann es wohl aufgrund schwindener Ölreserven nur noch bis etwa Mitte des Jahrhunderts in bezahlbarer Form geben. Großmülldeponien in der Nähe von Großstädten werden jetzt schon geöffnet, um die darin enthaltenen Wertstoffe zu receyclen. Das ganze nennt sich Urban- Mining und ist schon jetzt recht rentabel, wenn sich neben den Kunststoffen auch eine gewisse Menge wertvoller Metalle darin befindet, was man selten vorher wissen kann. Deshalb werden auf den favorisierten Müllkippen Probeschachtungen vorgenommen um die rentabilität zu ergründen. Ich gehe davon aus, das aufgrund verschärften Rohstoffmangels bis etwa 2100 alle größeren Mülldeponien geöffnet und verwertet werden.
Nachfolgend noch ein paar Bilder von Müllkippen- Schulranzen, vielleicht werden auch sie eines Tages receyclet und zu neuen Schulranzen geformt. Wäre doch ein Witz, wenn die Kinder unserer Kinder irgendwann mal mit Ranzen rumlaufen, in denen das receyclete Material unserer alten Ranzen steckt. Aber so ungewöhnlich ist das gar nicht, unsere über den gelben Sack weggeworfenen Konservendosen sind später wieder Autokarosserien usw.



Die meißten auf der Mülldeponie zu findenen Schulranzen sind aus den 70er bis 90er Jahren. Nach dem Aufgeben und mieserablem Verschluß der Deponie wurde aber weierhin häufig Sperrmüll unbefugt dort abgeladen, deshalb findet man selten auch mal modernere Ranzen, die aber auch schon Bewuchs zeigen. Heute wirft dort kaum noch einer was hin, denn mittlerweile ist die einstige Deponiefläche stark zugewachsen und völlig verwildert.
Hätte ich die alten Scouts nicht ab und zu mal zum fotografieren angefasst, wären die auch schon unter einer Laub und Grasschicht verschwunden. Noch liegen oberflächlich viele Holz und Metallteile, aber auch die sind in den letzten Jahren stark vermodert bzw. weggerostet. Der Boden wird langsam tückisch und uneben, immer wieder gibt es Versackungen, wenn rostige Autodächer einbrechen und das Erdreich einstürzt oder Möbelteile vermodern. Die Deponie ist stellenweise nur mit 20 cm Erdreich abgedeckt, weshalb auch massiv Wasser dort eindringt. Bäume erleiden immer wieder Windbruch, weil das Erdreich nicht tragfähig ist. Früher oder später ist hier wohl eine Sanierung des Geländes angebracht.








Dir gefällt die Seite?
     Du vermisst ein Ranzenmodell?
           Möchtest du mir Bilder deines Schulranzens zur Verfügung stellen?

Dann melde dich bitte hier.